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LEADERSHIP IM BILDUNGSBEREICH UND SCHULWANDEL

Jahreskongress 2005

Themenfelder

Die zunehmende Komplexität einer Wirklichkeit, die sich rasch in nicht immer vorhersehbare Richtungen entwickelt, erfordert von Seiten unserer Bildungssysteme eine kontinuierliche Anpassung an neue gesellschaftliche Bedürfnisse.

Dieses Phänomen stellt eine der Hauptursachen für die aktuellen Erneuerungs- und Reformprozesse im Schulwesen dar. Die Flexibilität, die benötigt wird, um den erzieherischen Herausforderungen der Gegenwart gewachsen zu sein, führt die Bildungssysteme zu einer verstärkten Weitergabe von Verantwortung an die Schulen durch eine Neuverteilung der Bestimmungsbefugnisse auf allen Ebenen. Diese Neukonfigurierung betrifft sowohl die Bildungsorganisation als auch die Lehrpläne, den Unterricht, die Entscheidungsmechanismen, die Personalführung und die Finanzierungsmittel. Es handelt sich allerdings nicht nur um eine einfache Überprüfung der Entscheidungskompetenzen: diese Entwicklung impliziert genauso eine Neubestimmung der Tätigkeiten und Pflichten in Bezug auf kompetente Planung, Ausführung und Leitung in den entsprechenden Aufgabenbereichen. Die Schule braucht neue lokale Leader.

Es handelt sich dabei um Leader im weitesten Sinn, die nicht nur - ihrer ursprünglichen Bezeichnung entsprechend - Managertätigkeiten oder betriebswirtschaftliche Aufgaben übernehmen sollen, sondern auch im pädagogischen und kreativen Bereich tätig sein können sowie in der Verwaltung, in der Öffentlichkeitsarbeit, usw. Solche Leaderfiguren sollten alle Aspekte des schulischen und pädagogischen Empowerment des Individuums und dessen aktiver Tätigkeit umfassen. Es geht demzufolge nicht darum, das Konzept der Leadership zu bestimmen, sondern darum, das Feld zu umschreiben, innerhalb welches es definiert werden kann.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, besteht heutzutage eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Phänomen der Leadership als Folge der gesellschaftlichen und institutionellen Veränderungen.

Allerdings kann Leadership auch die Ursache der Veränderungen innerhalb der Schule darstellen. Die Verantwortlichen für ein Ausbildungssystem - sei es auf Schul-, Verwaltungs- oder Staatsebene - sollen nicht nur den Alltag regeln, sondern können und müssen Veränderungen vorantreiben, Erneuerung anregen und Verbesserungsinitiativen unterstützen. Gerade in der Erneuerung kann sich die Leadership entfalten, sich neuen Herausforderungen stellen. Die Eigenschaften eines Leaders beeinflussen massgeblich den Erfolg oder Misserfolg eines Erneuerungsprozesses, ähnliches gilt für den Nutzen, den die Schüler daraus ziehen.

Der Kongress setzt sich zum Ziel, diese Themen, ihre geschichtliche Entwicklung und das Verhältnis, in dem sie zueinander stehen, zu untersuchen sowie unterschiedliche Definitionen von Leadership (die Schulerneuerungsprozesse mehr oder minder betreffen), erprobte Vorgehensweisen und offene Fragen zu diskutieren.

Durch die drei vorgeschlagenen Themenschwerpunkte, wollen wir eine Standortbestimmung der Forschung zu diesem Thema in der Schweiz und in anderen Ländern umreissen.

Leadershipkonzepte

Das Konzept von Leadership eignet sich aufgrund seiner zahlreichen Bedeutungen, kultur- und traditionspezifischen Konnotationen nicht für eine einheitliche Bestimmung. In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Definitionsvorschläge, die unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Die jüngsten Überlegungen betreffen nicht mehr ausschlie§lich die Schulleiter sondern beziehen auch Lehrer, Schüler und Gemeinden sowie Behörden und regionale und nationale Politiker mit ein. Die Forschungsbeiträge in diesem Themenschwerpunkt greifen eine oder mehrere unter den folgenden Fragestellungen:

  • Welche Bestimmungen von Leadership können für den Bildungsbereich vorgeschlagen werden? Auf welche Aufgaben sollten sich Schulleader konzentrieren?
  • Gibt es "Leadershiptypologien"?
  • Auf welche Ebenen kann das Konzept von Leadership erweitert werden? Schulleiter? Lehrer? Schüler? Gemeinden? Regionale Behörde? Politiker?
  • Welche Rolle sollen Schulleiter im Kontext wachsender Schulautonomie einnehmen?
  • Wie kann Leadership übertragen und von Behörde und Politik ausgeübt werden?
  • Welche empirischen Daten belegen den Zusammenhang zwischen Leadership und Bildungsqualität?

Die Rolle der Leadership im Wandlungs-Prozess der Schule

Während die wachsende Bedeutung von Leadership als Folgeerscheinung der gesellschaftlichen und institutionellen Veränderungen betrachtet wird, untersucht die Mehrheit der Forschungsprojekte, wie Leadership aktiv zur Verbesserung von Schule beitragen kann. In der Tat wird Leadership von mehreren Seiten eine Schlüsselfunktion für das Eintreten von Veränderungen sowohl auf Schul- als auch auf Systemebene zugesprochen.

Im zweiten Themenschwerpunkt soll mit Beiträgen zu den folgenden Punkten auf diese Fragen eingegangen werden:

  • Wie und in welchem Mass kann Leadership zur Verbesserung der Schule beitragen? Welche Belege gibt es für den Zusammenhang zwischen Leadership und Schulveränderung?
  • Im vergangenen Jahrzehnt wurde uns bewusst, dass grossangelegte Reformen "top down-" und "bottom-up-Strategien" kombinieren müssen, um wirksam zu sein. Jede Ebene des Bildungssystems muss dazu beitragen: angefangen vom einzelnen Lehrer über die unterschiedlichen Verwaltungsstufen bis hin zur höchsten politischen Ebene. Welche Stellung nimmt Leadership in diesem von grossangelegten Reformen gekennzeichneten Kontext ein?
  • Welche neuen Aufgaben fallen einem Schulleader einer autonomen Schule zu?
  • Zahlreiche Untersuchungen haben festgestellt, wie wichtig eine Kultur der Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Schulen für die Schulqualität und die Qualitätssicherung ist. Wie kann Leadership dazu etwas beitragen?
  • Das Konzept der "lernenden Organisation", d.h. Organisationen, die sich auf der Basis der Erfahrungen und Überlegungen der eigenen Mitglieder weiterentwickeln können, hat sich auch im Bereich der Bildungsforschung durchgesetzt: Welchen Beitrag kann Leadership zu der Entwicklung von lernenden Schulen und Systemen leisten?
  • Die Dezentralisierung von Verantwortung und die daraus folgende grössere Autonomie der einzelnen Schulen birgt Risiken und Gefahren. Was sind die Risiken und Gefahren? Kann die Betonung von Leadership negative Entwicklungen unterstützen?

Die Akteure der Leadership

Für den gut funktionierenden Schulbetrieb ist es unabdingbar, dass den Überlegungen zum Thema Leadership praktische Empfehlungen folgen. Die unterschiedlichen Auffassungen von Leadership und ihrer Rolle im Schulerneuerungsprozess müssen in Identifizierungs-, Auswahl-, Ausbildungs-, Verwaltungs- und Bewertungsstrategien der Schulleader konkretisiert werden. Die Beiträge zu diesem Themenschwerpunkt beschäftigen sich mit den folgenden Fragen:

  • Welche Akteure sind von diesen Veränderungen der Machtdynamik und entsprechenden Implikationen in besonderem Masse betroffen (Politiker, Verwalter, Lehrer, Wirtschaftler, Ausbildner, Eltern, Bürger, usw.)?
  • Welche Position nehmen die Lehrerinnen und Lehrer gegenüber der Leadership ein? Müssen sie eine "externe" Leadership über sich ergehen lassen oder können sie aktiv daran teilnehmen, indem sie zum Beispiel neue Aufgaben innerhalb der Schulinstitute annehmen?
  • Anhand von welchen Strategien sollen geeignete Schulleader am besten ausgewählt werden? Eignen sich bestimmte Profile besser dafür als andere? Sind unterschiedliche Profile für unterschiedliche Arten von Leadership geeignet?
  • Welche Strategien eignen sich am besten für die Lenkung der Schulleader selbst?
  • Wie sieht die Ausbildung von Leadern aus, die eine optimale Leitung von dem Lernen gewidmeten Organisationen (wie Schulen es sind) gewährleisten können?
  • Wie kann die Leistung der Schulleader bewertet werden?

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